Carsharing einmal anders!

“Normal ist doch langweilig”, so lautet das Credo vieler Menschen, denen besonderes vorschwebt. Auf dem eigentlich recht fantasielosen Markt der Mietwagen müssen die herkömmlichen Mietmodelle á la Hertz, Sixt und Europcar folglich als das Normale dienen, an denen sich das vermeintlich Außergewöhnliche messen muss.

Es ist nun leider nicht überliefert, ob die Erschaffer des Carsharing-Projekts “Drive Now” eben diesen Ausruf verlauten ließen – gut denkbar wäre es allerdings. Denn zumindest eines ist gewiss: “Drive Now” ist nicht nur neu, sondern zugleich auch neuartig. Diese Unterscheidung gewinnt vor allem dann an Bedeutung, wenn es darum geht, in vollkommen gesättigte Märkte einzudringen, wie es “Drive Now” tut, und zwar mit dem Ziel, dem Altgedienten einen neumodischen Fehdehandschuh hinzuschmeißen.

Laufkundschaft per definitionem: Automieten im Spaziergang

Was nach mutwillig konstruiertem Wortspiel klingt, darf durchweg wörtlich genommen werden. Denn Fakt ist, dass die Autos der “Drive Now”-Flotte, bestehend aus BMW 1ern und Minis, überall und nirgends zugleich darauf warten, vom nächsten Mietwilligen abgeschleppt zu werden. Dies geschieht ohne große Mühe: Ist die benötigte App auf dem Smartphone installiert und die Registrierung mit abschließenden Kosten von 29 Euro abgeschlossen, dient das Mobiltelefon fortan als Türöffner für jedes Auto, das mit dem Schriftzug “Drive Now” versehen in den Straßen Münchens herumsteht – natürlich nur dann, wenn das Auto nicht gerade von Gleichgesinnten besetzt ist.

Spätestens jetzt sollte auch die Frage nach den Preisen beantwortet werden. Zuerst die schlechte Nachricht: Nein, “Drive Now” ist nicht kostenlos. Die gute Nachricht: Mit 29 Cent pro gefahrener Minute kann “Drive Now” bei intelligenter, gut geplanter Nutzung ein wirklich günstiges Vergnügen sein, allerdings nur in gewissem zeitlichen Rahmen. Denn generell gilt, dass die Tarife der herkömmlichen Vermieter mit jeder gefahrenen “Drive Now”-Minute günstiger im Vergleich werden. Apropos Vergleich: Da sich auch vermeintlich Unvergleichliches vergleichen lassen muss, soll ein abschließendes Fazit in Bezug auf die Konkurrenzsituation helfen, Unschlüssigen ein Bild zu verschaffen.

Im Stadtauto München befahren: Konkurrenz oder Koexistenz?

Alleine die Tatsache, dass Sixt höchstpersönlich zu den Initiatoren des “Drive Now”-Systems zählt, lässt bereits vermuten, dass Sixt und Co. sich nicht bedroht fühlen müssen. Denn die Marschroute ist klar definiert: “Drive Now” verspricht Carsharing für spontane, zeitlich limitierte Zwecke innerhalb der Stadt, während die großen Vermietungen weiterhin jedes längere Mietabenteuer vermitteln dürfen.

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